Ein Unwetter nach dem Anderen – Starkregen, Überflutungen, Jahrhundertereignisse

Aktuelle Situation

Seit etwas über zwei Wochen suchen uns immer mehr Unwetter mit kilometerweiten Gewitter- und Starkregenfronten auf.

In den letzten drei Tagen hat dauernder Starkregen in Rheinlandpfalz und Nordrhein-Westfalen zu katastrophalen Zuständen geführt. Teilweise sind Landkreise in den K-Fall gegangen bzw. haben den Katastrophenfall ausgelöst. Besonders schlimm hat es die Gemeinde Schuld in Ahrweiler erwischt, wo mehrere Häuser eingestürzt sind. Hier sind auch bereits 2 Feuerwehrleute in ihrem Einsatz ums Leben gekommen, sowie weitere 4 Tote. Es werden dort ca. 60 Personen noch vermisst.

Aber auch in Hagen, im Osten NRWs, hat das Unwetter dafür gesorgt, dass ganze Stadtteile nicht mehr erreichbar sind und die Bundeswehr im Einsatz ist. Hier gingen in den letzten 24 Std. über 240 Liter pro m² runter. Normal wären für den Monat Juli ca. 80 Liter. Teile der Stadt mussten evakuiert werden.

Auch in Wuppertal ist die Lage kritisch. Die Wupper ist randvoll und sechsmal so breit wie sonst. Dazu ist die Bever-Talsperre randvoll. Das Wasser muss weiter über die Wupper abgeführt werden.

In Köln hat das zu teilreichen Stromausfällen in vielen Stadtteilen gesorgt. Somit ist die Lage am Rhein auch sehr angespannt. Mit Stand 11:40 Uhr ist der Stand bei über 6,70 m in Köln. Baumstämme und sonstiges Treibgut befindet sich im Rhein und gefährdet die Schifffahrt.

Insgesamt sind über 200.000 Menschen ohne Strom.

Mehr auch hier im Tagesschau-Liveblog.

Woher kommt das und warum halten sich die Unwetter so ungewöhnlich lange bei uns auf?

Der Klimawandel sorgt dafür, dass der Jetstream deutlich geschwächt wurde und teilweise zusammengebrochen ist. Somit können oberhalb des Jetstreams üblichen feuchte Kältehochs und -Tiefs entsprechend nicht mehr von uns ferngehalten werden. Je nach Lage des Jetstreams dringt lang anhaltende Hitzeperioden Richtung Norden und feuchte kalte Luft kommen nach Süden. Durch die momentane Omega-Lage über Mittel- und Nordeuropa ist es so, dass die übliche Sommerhitze gebündelt südlich der Alpen um uns herum nach Ost-Tschechien und Ost-Polen bis ins Zentrale Russland umgeleitet wird und hier überdurchschnittlich trocken, sonnig und heiß ist, während wir in Nordwest- und Mitteleuropa regelrecht ertrinken. In diesen zwei Wochen wird die kalte feuchte Luft durch den Ärmelkanal wesentlich stärker und ausgeprägter, da dieser durch einen zu warmen Golfstrom aufgeladen wird. Das Ergebnis sind sehr große Gewitter- und Regenfronten, die nicht weiter gehen, sondern sich gerade über Deutschland aufhalten und rotieren.

Aufkommende Unwetter können somit nicht schnell, wie üblich, abziehen und verharren nahezu an Ort und Stelle. Dadurch haben wir bis zu 400 % mehr Regen als in den Vorjahreszeiträumen.

Dies hat auch was Gutes. Die Regenschauer der letzten fast drei Wochen haben dafür gesorgt, dass nahezu Bundesweit die Böden bis zu 3 m tief gut durchnässt sind. Allerdings ist es auch seit einer Woche so, dass viele Böden sogar zu nass sind. Einige Pflanzen und Bäume ertrinken regelrecht, weshalb es zu Wurzelfäule und letztendlich zum Sterben der Pflanzen und Bäume kommt.

Diese momentane Wetterlage wird noch einige Wochen weiter bestehen, so wie wir es bei der umgekehrten Omega-Lage 2018 und 2019 mit den Jahrhundertsommern erlebt haben.

Wir müssen jetzt und auch in Zukunft damit rechnen, dass die Wetterextreme zunehmen. In diesem Jahr bzw. Sommer wird es mehrere Starkregenereignisse geben. Es kann aber auch sein, dass dann der Winter extrem trocken wird oder wir im nächsten Jahr wieder ein umgekehrte Situation wie 2018 oder 2019 haben werden. Die Jahre mit normalen Sommern und Wintern werden selten und ein bis zweimal in 10 Jahren vorkommen. Dies hängt direkt mit der Abschwächung bzw. Zusammenbruchs des Jetstreams zusammen.

Warum ist der Jetstream so schwach bzw. zusammengebrochen?

Dies liegt allgemein an der Erderwärmung zusammen. Während 1 Grad Erwärmung südlich der alten Jetstream-Linie wenig direkten Einfluss hat, ist es nördlich des Jetstream schnell und deutlich merkbar. In den letzten 20 Jahren ist das nördliche Packeis und Grönlandeis stark abgeschmolzen. Auch in den Alpen sind über 70 % der Gletscher verschwunden, weshalb die Unterschiede zwischen der nördlichen und der südlichen Jetstreamzone gering geworden ist und der Jetstream eben nicht mehr in Fahrt kommt. Zudem erwärmt der Golfstrom weiter die nördlichen Meere, da dieser durch die geringeren Eisflächen von Grönland und Skandinavien nicht mehr abgeschwächt wird.
Steigt die Erwärmung nur noch um 0,5 bis 1 Grad, bricht der Jetstream total zusammen und das Wetter wird dauerhaft extrem werden.

Welche Folgen hat das für uns?

Wir müssen mehr darauf achten wo wir wohnen und welche Gefahr bei Starkregen uns an unserem Wohnort drohen und entsprechend Vorbereitungen treffen und sogar bauliche Maßnahmen durchführen. Abwasserleitungen sprich die gesamte Infrastruktur und auch Agrarflächen müssen berücksichtigt und neu geplant und angelegt werden.
Kommunen müssen jetzt analysieren und handeln. Auch der Katastrophenschutz muss sich auf solche Ereignisse strukturell umstellen.

Auch das Thema Neubewaldung und andere resistentere Bepflanzungen müssen jetzt in den Fokus der Forstwirtschaft und auch im Gartenbau berücksichtigt werden. Wir brauchen nicht nur eine straffere und strengere Klimapolitik, sondern auch ein Umdenken bei uns selber.

Gemeinsam stark und vorbereitet.

Euer K.S.i.-Team

B.Blum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.